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Die „wahren Preise“ der textilen Wertschöpfungskette am Beispiel der Fasergewinnung und die Vision Vandana Shivas – Eine Design-Based Research-Studie zu Nachhaltigkeitsbewertung und -bewusstsein im Kontext von „Transformative Literacy“

Bearbeitung: Stephanie Mittrach

Vor dem Hintergrund einer Überschreitung der ökologischen Belastungsgrenzen der Erde (vgl. Rockström et al. 2009a, 2009b) ist eine gesellschaftliche Transformation in Form eines Bewusstseinswandels zu einer nachhaltigen Entwicklung, der mit veränderten Mensch-Umwelt- Beziehungen einhergeht, notwendig. Dies erfordert unter anderem eine Reflexion bisheriger Vorstellungen, Bedeutungszuweisungen, Einstellungen und Werthaltungen (vgl. Meyer 2016). Werte werden kulturell vermittelt. Daher ist für die genannte Transformation die Bedeutung von Kultur bewusst zu machen, was vor allem eine Bildungsaufgabe darstellt (vgl. Meyer 2013, 2014). Im Rahmen des Forschungsvorhabens soll dies durch didaktisch aufbereitete unterrichtliche Interventionen am Beispiel der Textil- und Bekleidungsindustrie erforscht werden. In Bezug auf die schulpraktische Umsetzung erfolgt, in Anlehnung an die Untersuchungsergebnisse von Mittrach 2016, eine Fokussierung auf den ersten Produktionsschritt der textilen Wertschöpfungskette, die Fasergewinnung. Da knapp 40 Prozent der weltweit produzierten Textilien aus Baumwolle bestehen (vgl. Jensen 2015), soll hierbei besonders der Anbau von (gentechnisch veränderter bzw. kontrolliert biologischer) Baumwolle sowie die damit einhergehenden Auswirkungen auf die Bereiche nachhaltiger Entwicklung thematisiert werden. Zudem wird an die Vision von Vandana Shiva angeknüpft (vgl. Meyer 2017).

Die übergeordnete Forschungsfrage analysiert, inwieweit eine tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Wirken von Pionieren des Wandels – hier am Beispiel Vandana Shivas – zur Reflexion von Wertvorstellungen und zur Entwicklung von Nachhaltigkeitsbewusstsein bei 15-17 jährigen Jugendlichen beiträgt. Zudem soll überprüft werden, inwieweit eine reflektierte Nachhaltigkeitsbewertung initiiert werden kann, um verantwortliches und umweltbewusstes Handeln bei den Probandinnen und Probanden zu fördern und damit zu einer Entwicklung der Persönlichkeit beziehungsweise Identität beizutragen.

Forschungsmethodisch orientiert sich das Vorhaben am Design-Based Research-Ansatz, welcher durch einen zyklischen Ablauf der Forschungsphasen gekennzeichnet ist (vgl. u.a. Feulner et al. 2015). Hierfür werden sowohl quantitative als auch qualitative Zugänge im Rahmen eines Pre-

Posttest-Designs gewählt, um die Vorstellungen, Bedeutungszuweisungen, Einstellungen und Werthaltungen zu erfassen. Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse aus standardisierten Fragebögen und qualitativen Interviews sollen neben praktisch einsetzbaren Unterrichtseinheiten und -materialien auch generalisierte fachdidaktische Empfehlungen für die unterrichtliche Gestaltung zur Vermittlung von „Transformative Literacy“ (vgl. u.a. Schneidewind 2013, Singer-Brodowski 2016) als Beitrag für die „Große Transformation“ (vgl. WBGU 2011) zur Nachhaltigkeit abgeleitet werden.

Quellenverzeichnis

  • Feulner, B., Ohl, U. & Hörmann, I. (2015): Design-Based Research – ein Ansatz empirischer Forschung und seine Potenziale für die Geographiedidaktik. In: Zeitschrift für Geographiedidaktik, 3, S. 205-231
  • Jensen, A. (2015): Textilien für die Welt. In Bauer, B. (Hrsg.), Atlas der Globalisierung. Weniger wird mehr (S. 64-67). Berlin: Le Monde diplomatique.
  • Meyer, C. (2013): Landwirtschaft als Kulturaufgabe – Essenzielle Grundlagen von Kulturbewusstsein und Werte-Bildung. In Haubenhofer, D.; Strunz, I. A. (Hrsg.): Raus auf's Land. Landwirtschaftliche Betriebe als zeitgemäße Erfahrungs- und Lernorte für Kinder und Jugendliche. Baltmannsweiler, S. 9-33.
  • Meyer, C. (2014): Kulturbewusstsein als Schlüsselkonzept für (geographische) Bildung – Essenzielle Grundlagen und Reflexionen zum Potenzial europäischer Städte. In Meyer, C. (Hrsg.): Kulturbewusstsein als Schlüsselkonzept für Bildung und Identität – Zum Potenzial des Topos „Europäische Städte“. Frankfurt: Peter Lang, S. 169-204.
  • Meyer, C. (2016): Musik im Geographieunterricht – Bedeutung für Kultur, Mensch und Raum. In Meyer, C. (Hrsg.): Diercke Geographie und Musik. Zugänge zu Mensch, Kultur und Raum. Braunschweig, S. 5-12. Langfassung des Beitrags: www.didageo.uni- hannover.de/fileadmin/institut/Meyer_Einleitung_Musik_lang_6.1.16_.pdf (15.03.2017)
  • Meyer, C. (2017): Die Vision von Vandana Shiva: Erd-Demokratie für Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Frieden. Geographie aktuell & Schule, 225, S. 71-73.
  • Mittrach, S. (2016): Wer zahlt den Preis für unsere Kleidung? Eine empirische Studie zu Schülervorstellungen über die Hintergründe der Fast Fashion-Industrie unter besonderer Berücksichtigung der Perspektive von Vandana Shiva. Unveröffentlichte Masterarbeit an der Leibniz Universität Hannover.
  • Rockström, J. et al. (2009a): A safe operating space for humanity. Nature, 461, S. 472–475. Rockström, J. et al. (2009b): Planetary boundaries: Exploring the safe operating space for humanity. Ecology and Society, 14(2), Artikel 32.
  • Schneidewind, U. (2013): Transformative Literacy. Gesellschaftliche Veränderungsprozesse verstehen und gestalten. Gaia, 22(2), S. 82-86.
  • Singer-Brodowski, M. (2016): Transformative Bildung durch transformatives Lernen. Zur Notwendigkeit der erziehungswissenschaftlichen Fundierung einer neuen Idee. Zeitschrift für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik, 39(1), S. 13-17.
  • WBGU – Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (Hrsg.) (2011): Welt im Wandel. Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation. 2., veränderte Auflage. 
    www.wbgu.de/fileadmin/templates/dateien/veroeffentlichungen/hauptgutachten/jg2011/ wbgu_jg2011.pdf (erstellt: 2011, Abruf: 15.03.2017).