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Ethische Urteilskompetenz beinhaltet die reflektierte Verknüpfung von Sachwissen auf der einen Seite sowie Wertvorstellungen auf der anderen Seite und ist die Basis für Entscheidungen bzw. Urteilen in Handlungssituationen. Auch die Themen des Geographieunterrichts weisen sehr häufig neben ihrer Sachstruktur eine moralische Dimension auf. Ethik wird gemeinhin als Theorie der Moral und somit als Reflexion auf Moral verstanden. Sie vermittelt uns das Handwerkszeug für die Analyse und Reflexion von Urteilen in moralischen Konflikten oder Dilemmata. Dabei gilt es, Normen und Werte unterschiedlicher Perspektiven zunächst bewusst zu machen und anschließend kritisch zu hinterfragen. Als Orientierung für die ethische Urteilskompetenz werden Maßstäbe benötigt, die ein gelungenes ethisches Urteil auszeichnen. Diese sind sowohl formaler als auch inhaltlicher Art. Formal geht es um die Struktur und Vollständigkeit der Argumentation, inhaltlich geht es um die Schlüssigkeit und das tiefgründigere Verstehen von Entscheidungen bzw. Urteilen durch hermeneutische Analyse. 

Unterrichtspraktisch sind im Hinblick auf die anzustrebende ethische Urteilskompetenz zwei Herangehensweisen denkbar: einerseits die Analyse von Meinungen bzw. Standpunkten und der dabei artikulierten Normen und Werthaltungen/-maßstäbe, andererseits die Förderung der eigenen Urteilsfähigkeit, indem die eigenen Werthaltungen/-maßstäbe in den spontanen Meinungen oder begründeten Standpunkten bewusst gemacht werden. Dies wären die eher formalen Grundlagen. Inhaltlich müssen in idealer Weise Standpunkte im Hinblick auf die jeweiligen ethischen Orientierungen (z. B. Deontologie, Konsequentialismus, Tugendethik), die darin zum Ausdruck kommen, analysiert und vergleichend reflektiert werden. Eine eigene Haltung sollte schließlich aus dieser Analyse und einem Diskurs darüber resultieren, wobei im Idealfall die unterschiedlichen Standpunkte und dazugehörige ethische Haltungen diskutiert und nach sozialem und persönlichem Abwägen in einer persönlichen Stellungnahme vertreten werden müssen.

Die formalen und inhaltlichen Analysen sind notwendig, um zum einen den Schülerinnen und Schülern die Struktur, die Wertmaßstäbe sowie die ethischen Orientierungen fremder und eigener ethischer Urteile in geographischen Kontexten bewusst zu machen, so dass sie dadurch einen eigenen „ethischen Kompass“ entwickeln können. Zum anderen liefern sie der Lehrkraft einen Kriterienmaßstab für die Benotung von Aufgaben mit moralischer Dimension.