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Geographische Impressionen
Gletscher in den Tiroler Alpen, Österreich
Begegnung unser Studierenden mit Jugendlichen in Ol Donyo Sabuk, Kenia
Libysche Wüste, Ägypten
Mt. Suswa, Kenia
Begegnung unserer Studierenden auf der ökologischen Farm Navdanya in Dehradun, Indien
Weltkulturerbe: der Goldene Pavillon, Japan
Fumarolen, Vulkan Solfatara, Italien
Blick auf Pittsburgh, USA
Geologie der Eifel, Deutschland
Florenz, Italien

Fotos: Christiane Meyer, Andreas Eberth

Was ist Didaktik der Geographie?

Die Wissenschaft Geographie

Für viele ist Geographie, um es in einer Kurzformel zu sagen: Stadt, Land, Fluss. In dieser Vorstellung wird vor allem die Lage bestimmt, d. h. es handelt sich um Topographie. Geographie ist aber viel mehr! Die Wissenschaft Geographie hat als Erfahrungsobjekt „den“ Raum, die Erde bzw. die Erdoberfläche. Erkenntnisobjekt ist daher die Geosphäre mit ihren Teilsphären Atmosphäre, Biosphäre, Pedosphäre, Hydrosphäre, Lithosphäre sowie Anthropo- oder Soziosphäre. Die Geosphäre wird als Ganzes oder sie wird in Teilen erfasst, beschrieben und erklärt. Dabei spielen Strukturen, Prozesse, Funktionen und Probleme eine Rolle.

Im sogenannten Anthropozän (Renn/Scherer 2015) dominiert der Einfluss des menschlichen Handelns auf das Erdsystem und fordert die Menschheit zu einem Umdenken auf. Eine gesellschaftliche Transformation geht mit einer transformativen Forschung und Bildung (WBGU 2011) einher – auch dieser Aufgabe und Verantwortung muss sich die Geographie stellen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass Kultur einen maßgeblichen Einfluss auf kollektives Handeln hat: „Kultur ist ein zentraler und komplexer Begriff der Geographie. Dennoch lässt sich Kultur in wenigen Worten als ‚Lebensweise, die einen spezifischen Bestand von Fertigkeiten, Werten und Bedeutungen umfasst’ beschreiben. Die Geographie interessiert besonders, wie Kultur Raum (space) und Ort (place) formt und wie umgekehrt Raum und Ort die Kultur beeinflussen.“ (Knox & Marston 2008, 318)

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Das Schulfach Geographie bzw. Erdkunde

Die Geographie in der Schule ist selbstverständlich eine andere als die in der Wissenschaft. Durch ihren lernerspezifischen Bezug muss sie lebensweltbezogen ausgerichtet sein und bestimmte Fähigkeiten bzw. Kompetenzen vermitteln, die zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen. Geographie bzw. Erdkunde als Schulfach dient dazu, die Welt zu erschließen, d. h. Mensch-Umwelt-, Mensch-Mitwelt- und Mensch-Inwelt-Beziehungen zu erkennen und zu reflektieren. Der Begriff „Inwelt“ wurde von Jochen Kirchhoff (2009) übernommen und ist im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Transformation bzw. Transformationsbildung zu sehen: „Die ökologische Krise ist eine Krise des Bewusstseins“ (Kirchhoff 2009, 12f.) und damit eine „In-Weltkrise“ (ebd., 22). Diese Krise „wirklich verstehen hieße uns selbst verstehen“ (ebd., 24). Diese Zielrichtung fordert dazu heraus, immer wieder Fachgrenzen zu überschreiten, um aktuelle Fragestellungen zu beantworten und im Zusammenhang mit (alltäglichen) Entscheidungsprozessen und ethischem Urteilen (Selbst-)Reflexionsprozesse anzustoßen.

Aufgrund der Komplexität des geographischen Wissens ist Vollständigkeit und Abgeschlossenheit der inhaltlichen Fokussierungen nicht möglich. Dies gilt um so mehr, wenn auch ethische Reflexionen notwendig bzw. Wertesysteme kritisch zu hinterfragen sind, vor allem im Kontext einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. Die Klammer der geographischen Bildung wird daher in Konzepten gesucht, die wesentliche Denkweisen, Vorstellungen, Werthaltungen und Bedeutungszuweisungen herausstellen. In Deutschland sind dazu die nationalen Bildungsstandards (DGfG 2014) heranzuziehen, die eine nicht verbindliche Orientierung für die verbindlichen (Kern-)Curricula der Länder darstellen. Die darin ausgewiesenen sechs Kompetenzbereiche Fachwissen, Räumliche Orientierung, Erkenntnisgewinnung/Methoden, Kommunikation, Beurteilung/Bewertung, Handlung bilden gleichsam das Schulhaus geographischer Bildung. „Da sich die Geographie als Systemwissenschaft versteht, ist das Hauptbasiskonzept des Faches das Systemkonzept“ (DGfG 2014, 10). In der Abbildung rechts sind mit Bezug auf internationale geographiedidaktische Literatur zentrale Konzepte in einer Übersicht zusammengestellt (ausführlicher in Meyer 2014, Meyer/Eberth 2015).

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 Die Metawissenschaft Geographiedidaktik

Geographiedidaktik ist die Wissenschaft vom Lehren und Lernen geographischer Sachverhalte. Sie kann aber auch als Metawissenschaft bezeichnet werden, weil sie auf einer höheren Reflexionsebene über die Wissenschaft Geographie, die Erziehungs- bzw. Bildungswissenschaft sowie die (pädagogische) Psychologie nachdenken muss, um „geographische Lernumgebungen“ erfolgreich zu gestalten. Vor allem zwei grundsätzliche Fragepaare spielen bei der Planung von Unterrichtsprozessen eine Rolle: Was und wozu wird unterrichtet? Wie und womit wird unterrichtet? Hinter diesen einfachen Fragen verbirgt sich ein Komplex an Überlegungen bei der Planung von Unterricht, das zur bedeutungsvollen Adressatenfrage noch weitere Fragen beinhaltet, z. B. wann und wo der Unterricht stattfindet.

In der geographiedidaktischen Ausbildung geht es darum, zukünftige Lehrkräfte auf den Weg zu „Pedagogical Content Knowledge (PCK)“ (Shulman 2004) zu bringen. Neben dem fachlichen und pädagogischen Wissen geht es dabei um das fachspezifisch-pädagogische Wissen, das curriculare Wissen sowie die Philosophie des Schulfachs (nach Bromme 2014). Ziel ist dabei die Entwicklung eines reflektierten, subjektiv verankerten Begriffs vom Bildungswert des Faches auf Grundlage des erkenntnistheoretischen (moderaten) Konstruktivismus. Zukünftige Geographielehrkräfte sollen somit das Potenzial geographischer Bildung verinnerlichen und das Fach in seiner gegenwärtigen und zukünftigen Bedeutung engagiert und kompetent in Schule und Gesellschaft vertreten (Meyer 2011).

Als Wissenschaft betreibt die Geographiedidaktik empirische Forschung. Dabei kommen quantitative und qualitative Forschungsmethoden zum Einsatz, die die Lernvoraussetzungen sowie die Lernprozesse fokussieren. Ziel ist dabei analog zur Forschung in anderen Fachdidaktiken die Verbesserung des Lernens und Lehrens in der Geographie. Vor dem Hintergrund einer transformativen Bildung gelten die (Selbst-)Reflexionsprozesse auch für Lehrpersonen. Denn: „(W)e teach who we are“ (Palmer 2007, 2) und „(G)ood teaching cannot be reduced to technique; good teaching comes from the identity and integrity of the teacher“ (ebd., S. 10). Eine zentrale Grundlage für guten Unterricht ist somit die Lehrerpersönlichkeit. Daher konstatiert John Hattie: „Kenne deinen Einfluss!“ (2014).            

Zum Weiterlesen

  • Haversath, J.-B. (Mod.) (2012): Geographiedidaktik. Theorie – Themen – Forschung. Braunschweig: Westermann.
  • Reinfried, S./Haubrich, H. (Hrsg.) (2015): Geographie unterrichten lernen. Die Didaktik der Geographie. Berlin: Cornelsen. 

Zusatz:

  • Bromme, R. (2014): Der Lehrer als Experte. Zur Psychologie des professionellen Wissens. (Standardwerke aus Psychologie und Pädagogik Reprints Bd. 7, herausgegeben von D. H. Rost). Münster: Waxmann.
  • Hattie, J. (2014): Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen. Überarbeitete deutschsprachige Ausgabe von „Visible Learning for Teachers“ besorgt von Wolfang Beywl und Klaus Zierer. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.
  • Palmer, P. J. (2007): The Courage to Teach. Exploring the Inner Landscape of a Teacher’s Life. 10. Aufl. San Francisco: Jossey-Bass.
  • Shulman, L. S. (2004): The Wisdom of Practice. Essays on Teaching, Learning, and Learning to Teach. San Francisco: Jossey-Bass.